Acetylsalicylsäure (ASS) gehört weltweit zu den meistverwendeten Wirkstoffen – ob zur Schmerzbehandlung oder zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Doch aktuelle Studien legen nahe, dass eine regelmäßige Einnahme mit einem erhöhten Risiko für die feuchte Makuladegeneration verbunden sein könnte. Was heißt das konkret für Menschen, die ASS dauerhaft einnehmen?

Zusammenhang zwischen Acetylsalicylsäure und Makuladegeneration: Erste Hinweise

Drei unabhängige Studien liefern neue Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen ASS und der Entstehung der feuchten, neovaskulären Form der altersbedingten Makuladegeneration (AMD).

Besonders auffällig: Die Daten deuten auf ein deutlich höheres Risiko bei regelmäßiger Einnahme des Medikaments hin – insbesondere im höheren Lebensalter.

Die European Eye Study: ASS und das doppelte Risiko für feuchte AMD?

Eine zentrale Studie in diesem Zusammenhang ist die European Eye Study. Die Forschenden stellten fest, dass Personen, die über längere Zeit regelmäßig Acetylsalicylsäure einnahmen, ein mehr als doppelt so hohes Risiko für feuchte Makuladegeneration aufwiesen.

Der berechnete Odds Ratio (OR) lag bei 2,22 – ein statistischer Wert, der auf einen signifikant erhöhten Zusammenhang hinweist.

Die feuchte AMD ist durch pathologische Gefäßneubildungen in der Makula gekennzeichnet – sie schreitet meist rasch voran und kann das zentrale Sehvermögen dauerhaft beeinträchtigen.

Langfristige Beobachtungen bestätigen: ASS könnte AMD-Risiko beeinflussen

Zwei weitere Langzeitstudien, die Beaver Dam Eye Study (USA) und die Blue Mountains Eye Study (Australien), liefern zusätzliche Hinweise:

  • In der Beaver Dam Eye Study zeigte sich bei 20-jähriger Nachbeobachtung ein relatives Risiko von 2,20.
  • Die Blue Mountains Eye Study ergab nach 15 Jahren ein kumulatives Risiko von 2,46 für die feuchte AMD bei regelmäßiger ASS-Einnahme.

Diese Zahlen unterstreichen, dass der Einfluss von ASS auf die Makulagesundheit kein kurzfristiger Effekt ist, sondern sich möglicherweise über Jahrzehnte hinweg aufbaut.

Keine Verbindung zwischen ASS und trockener Makuladegeneration

Interessanterweise fand keine der genannten Studien einen Zusammenhang zwischen der ASS-Einnahme und der trockenen Form der Makuladegeneration (geografische Atrophie).

Warum die feuchte Variante offenbar stärker betroffen ist, bleibt Gegenstand weiterer Forschung.

ASS bei Herzproblemen – aber was ist mit den Augen?

Acetylsalicylsäure ist und bleibt ein bewährtes Medikament – insbesondere bei Herzinfarktrisiko oder nach Gefäßoperationen.

Die aktuellen Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass Patienten mit familiärer Vorbelastung für Makuladegeneration oder ersten Veränderungen an der Netzhaut ärztlich besonders sorgfältig beraten werden sollten.

Die Entscheidung für oder gegen ASS sollte immer individuell getroffen werden – auch unter Berücksichtigung der Augengesundheit.

Zukünftig könnten genetische Risikoprofile dabei helfen, solche Entscheidungen noch gezielter zu treffen.

Mikronährstoffe als Ergänzung: Schutz der Makula durch gezielte Versorgung

Während Acetylsalicylsäure möglicherweise das Risiko für feuchte Makuladegeneration erhöht, gibt es eine Reihe von Nährstoffen, die schützende Eigenschaften für die Netzhaut entfalten.

Dazu zählen z. B. Lutein, Zeaxanthin, Heidelbeerextrakt, Ginkgo und α-Liponsäure. Diese Substanzen helfen, oxidative Schäden zu minimieren und die Mikrozirkulation zu fördern – zwei Schlüsselfaktoren für eine stabile Makula.

Fazit: ASS bei Makuladegeneration mit Augenmaß einsetzen

Die neuen Studien liefern deutliche Hinweise. Wer regelmäßig ASS einnimmt, sollte die möglichen Auswirkungen auf die Makula kennen, insbesondere bei genetischer Veranlagung oder bestehenden Netzhautveränderungen. Die feuchte Form der Makuladegeneration ist ernst zu nehmen, da sie ohne Behandlung schnell fortschreitet.

Die gute Nachricht ist, dass es ergänzende Ansätze gibt, um die Netzhaut zu stabilisieren, insbesondere durch eine gezielte Mikronährstoffversorgung und eine individuelle Risikoabwägung im Gespräch mit medizinischen Fachkräften. So lassen sich Herz und Auge gleichermaßen schützen.

Über den Autor

Gründerin und Geschäftsführerin von Augenakupunktur Noll. Staatlich geprüfte Heilpraktikerin und Absolventin der Heilpraktikerschule Dr. Jung in Kronberg (Taunus). Zertifizierte Akupunkteurin nach Prof. John Boel. --- Founder and managing director of Augenakupunktur Noll. State-certified alternative practitioner and graduate of the Dr. Jung School of Alternative Practitioners in Kronberg (Taunus). Certified acupuncturist according to Prof. John Boel.

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